Leben in Woke-Istan die Gutmenschen?
Wokeness erhitzt seit einiger Zeit die Gemüter - aber was ist das eigentlich, Wokeness? Sind Gutmenschen woke und wer regt sich begründet über wen auf?
Ein neues Wort ist in aller Munde und erhitzt die Gemüter: Woke. Markus Söder reitet (2024) Attacken gegen die Ampel, insbesondere gegen die Grünen; bei diversen Reden und in den sogenannten Sozialen Medien, hat er deren Wokeness zum Synonym einer Weltanschauung gemacht und dagegen polemisiert - es herrschte eben Wahlkampf. Aber ist das alles wirklich nur Wahlkampfspektakel? Natürlich nicht. Was Söder so plakativ aufträgt und als politische Keule benutzt, hat ja einen sehr konkreten Hintergrund: Wokeness spaltet die Gesellschaft.
Was heißt woke? Ursprünglich ist das die Vergangenheitsform von 'Wake' und hieß schon immer 'wach' oder auch 'aufwachen'. Vor einiger Zeit wurde die Bedeutung aber erweitert und heute findet man z.B. auch: "woke [politisch wach gegen insb. rassistische Diskriminierung]" - das klingt doch nicht schlecht, da sind die Woken wohl die guten Menschen - sind sie die 'Gutmenschen'?
Was kann man schon gegen wache, aufmerksame und gute Menschen haben? Das findet auch die selbsternannte linke Elite: S. Bosetti macht z.B. aus 'gute Menschen' übergangslos 'Gutmenschen' [Youtube: über Gutmenschen und Woke]. Aber sind Gutmenschen gute Menschen? Nein, Gutmenschen sind nicht etwa verkannte gute Menschen, sondern Menschen, die sich für gut halten und nicht erkennen, dass sie nicht gut sind. Wie z.B. die Tierschützer, die - wiederholt - tausende von Nerzen befreit hatten, welche dann elend verhungert sind; vorher hatten die Nerze noch alle Kleintiere und Vögel der Umgebung getötet und die überlebenden Nerze machen jetzt als Invasive Art die Gegend unsicher: Gutmenschen tun Dinge, die sich gut anfühlen, aber sie werden von komplexen Zusammenhängen überfordert.
Bei den Woken macht Bosetti den gleichen Fehler: sie verwechselt die lexikalische Definition von 'woke' mit den Leuten, die sich zwar selbst woke nennen, die aber eigentlich gar nicht woke sind. Woke heißt zwar 'aufmerksam, wachsam' aber die Woken sind nicht allzu aufmerksam und wachsam, wenn sie selbst Andersdenkende diskriminieren. Die Bezeichnung 'woke' haben sich die sogenannten Woken selbst gegeben - aber die sich selbst woke nennenden sind eben gerade nicht wachsam und aufmerksam; sie können ihre Ideen und Aktionen nicht reflektieren und sind ignorant und intolerant, wie einige Beispiele weiter unten zeigen.
Auch Wilfried Schmickler musste etwas dazu sagen [Schmickler Solo: Schmickler sagt ab 1:23 bis 1:26:] Er meinte: "Die Bezeichnung Gutmensch gehört ja heute zu den übelsten Beschimpfungen... ein Gutmensch ist angeblich nicht nur dumm, naiv und weltfremd, ... er hält sich deshalb für einen Bessermenschen... Was ... ist dagegen einzuwenden... Was ist daran falsch, den ideologischen Müll der Vergangenheit sprachlich zu entsorgen und durch eine vorurteils- und klischeefreie moderne Form des privaten und öffentlichen Sprechens zu ersetzen ... "
Und auch Christian Ehring konnte sich nicht zurückhalten, als er der Wokeness am 16.06.23 in seinem Extra 3 Satiremagazin einen Beitrag widmete und zum Angriff überging: Ehring fragt bei etwa Minute 29 was denn an Wokeness schlimm sei und zeigt dazu eine Tafel mit einer Definition. Er sagte: "In Deutschland tobt ein Kulturkampf. Es geht um Wokeness und Queerness, um Gender und Trans vor allem. Die Konservativen im Land sind besessen von diesen Themen ... Es ist alles so furchtbar woke. Was bedeutet woke? Woke bedeutet 'in hohem Maße politisch wach und engagiert gegen (insbesondere rassistische, sexistische, soziale) Diskriminierung'. Schlimm, oder?"
Folgt man unserer linken Elite, bedeutet woke zu sein also quasi erleuchtet zu sein, zu den besonders Guten zu gehören: Woke sind besonders aufmerksam und wachsam gegen Rassismus, Sexismus, Lookismus, Ableismus, XYZismus und was man gerade noch so brauchen kann an Diskriminierungen, denn die Suche geht ja immer weiter. Und wieder stellt sich die Frage: was kann daran schlecht sein? Ach, wenn die Woken doch nur so woke wären, wie sie glauben.
Der Trick
Tatsächlich ist der Trick vielleicht nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber total simpel:
1. Die 'woken' Leute definieren sich einfach gegenseitig selbst als woke und erklären sich damit selbst zu den Guten - gut brauchen sie dann gar nicht mehr zu sein. Zitat von taz-Redakteurin Lin Hierse: "Wir sind woke, weiter als der Mainstream." und aus einem Blog: "Bei mir im Prenzlauer Berg sind wir eigentlich schon sehr weit, was das Weltretten angeht; wir sind woke!" Da wird mir übel! Leute die sich selbst als erleuchtet bezeichnen verströmen den unangenehmen Geruch von Hybris und Dummheit.
2. Was ist eigentlich 'gut'? Das definieren die Woken auch selbst, statt ihre Opfer zu fragen. Die Woken definieren selbst was gut ist und erklären sich dann selbst zu den Guten. Um es in einer Metapher auszudrücken: Die Woken tragen die alte Frau über die Straße, finden sich gut und erwarten ein Dankeschön, auch wenn die Frau gar nicht über die Straße wollte. Damit erfinden sie letztlich eine neue Sprache, die dem Deutschen verblüffend ähnelt, in wesentlichen Punkten aber das Gegenteil ausdrückt. Sie fälschen die Sprache!
Und sind sie 'gut', sind sie besonders aufmerksam und wach gegenüber all diesen -ismen? Betrachten wir die Gender-Fraktion, die sich gegen Sexismus stark zu machen behauptet: sie behaupten, das Generische Maskulinum benachteilige Menschen dadurch, dass es nicht richtig - also jeden-meinend - verstanden wird. Da besonders Frauen betroffen sein sollen handelt es sich um Sexismus (Irgendwo las ich tatsächlich, das Generische Maskulinum an sich sei sexistisch). Tatsächlich gibt es solche Fälle, aber es handelt sich dabei um eine kleine Minderheit: manche Menschen verstehen in manchen Situationen manche Worte im Generischen Maskulinum nicht so, wie beabsichtigt; ein offensichtlich geringes Problem, das man durch Schulungen beheben könnte. Aber wer streiten möchte, kann sich ja eine andere Lösung ausdenken. Was tun sie also? Sie erfinden eine disruptive 'Lösung' des Problems (Worte, die mit *Innen etc. nicht mehr dem Regelwerk der deutschen Sprache gehorchen), die Millionen Menschen verletzt und AUCH nicht von jedem richtig verstanden wird.
Selbstverständlich wird diese 'Lösung' nicht etwa nur dort benutzt, wo sprachliche Probleme denkbar sind, sondern mit Vorliebe auch da, wo es keine denkbare Möglichkeit eines Missverständnisses gibt. Beispiele: Gästinnen, User*Innen, Demonstrant*Innen etc. Und plötzlich befinden sich z.B. Demonstrierende in der Notaufnahme: warum demonstrieren sie schwerverletzt im Krankenhaus? Tun sie gar nicht, demonstriert haben sie bevor sie eingeliefert wurden, aber die Nachricht wurde leider von einem X* dumm gegendert verfasst. Solche Extremformen zu gendern werden 'toxisches Gendern' genannt: 'toxisches Gendern' ist aggressiv, hilft niemandem aber es verletzt Millionen - und manchmal ist es schlicht falsch.
Das ist typisch woke: wie von Paranoia getrieben wird nach kleinen Problemen gesucht. Ist eines entdeckt, wird es durch ein 'Mikroskop' betrachtet bis es wichtig erscheint, und wird dann mächtig aufgeblasen. Anschließend wird eine Lösung entwickelt, die dem Feind möglichst weh tut um sich selbst bedeutungsvoll erscheinen zu lassen. Diesen Hass und diese Verachtung, die im Gendern liegt, hatte Petra Gerster wunderschön in einem Interview ausgedrückt als sie sinngemäß über das Gendern sagte, alte weiße Männer hätten jetzt Angst ihre Privilegien zu verlieren, aber daran würden sie sich schon noch gewöhnen.
Wären diese woken X* wie Petra Gerster wirklich wachsam gegen Diskriminierungen dann würden sie merken, dass sie die Millionen, die sie zu missionieren versuchen, diskriminieren und mehr Schaden anrichten als Nutzen - woke Aktivisten entscheiden selbst, wer zu den Guten gehört und darum Schutz vor Diskriminierung verdient, und wer nicht. Dafür fälschen sie grundlegende Begriffe wie Diskriminierung, Sexismus, Rassismus etc. Diese Begriffe haben nicht mehr die Bedeutungen, die sie früher hatten und für die es Zustimmung der Bevölkerung gab: damals war Rassismus schlimm, heute ist er bedeutungslos - ist ja eh jeder Weiße Rassist, auch wenn er überzeugter Antirassist ist. Und Sexist ist jeder Mann der hinter einer Frau herschaut. Das ist der verhängnisvolle Creep of Concept. Die selben Personen, die diese Begriffe so gefälscht haben, dass sie nicht mehr mit dem übereinstimmen, was sie früher bedeutet haben, behaupten jetzt von sich, wach bezüglich dieser gefälschten Begriffe zu sein und fühlen sich als die Auserwählten. Da sie die Begriffe aber selbst gefälscht haben ist die Aussage sinnlos.
Was bedeutet eigentlich 'missionieren'? Menschen den richtigen Glauben bringen, sie Gott näher zu bringen. Was kann man sich Besseres vorstellen? Was haben die Missionare im 16. Jahrhundert getan? Statt Gott, haben sie Hunderttausende Maya und Azteken dem Tod näher gebracht - und sie haben sich selbst als Die Guten gefühlt. Irgendwie waren sie damals schon woke. Und als was hat sich Hitler gesehen? Als Wiedervereiniger; er wollte Deutschland und Österreich wiedervereinigen ...
Sich selbst für einen guten Menschen zu halten ist etwas ganz anderes, als ein guter Mensch zu sein. Und was tun unsere woken Gutmenschen hier und heute? Sie suchen sich neue Personengruppen aus, die sie retten wollen - das haben die Missionare im 16. Jahrhundert auch getan. Sie wenden dafür unterschiedliche Formen von Gewalt gegen die zu Bekehrenden an - das haben die Missionare damals auch getan. Auch unsere woken Gutmenschen missionieren diejenigen, die den 'falschen Glauben' haben, sie unterdrücken andere Meinungen und kämpfen gegen das Grundgesetz.
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Meinungsfreiheit
X* ist 'Die gerade noch zulässige, erlaubte Meinungsäußerung'.
Stand: 22.03.2025